Mainz-Bingen: Kreis will IGSen in Ingelheim und Nieder-Olm auf sechs Züge erweitern, statt neue Schulen zu bauen – Eltern und Petitions-Initiatoren üben Kritik, Kreistag entscheidet im Dezember.
Die Kreisverwaltung Mainz-Bingen hat am Montag, dem 2. November 2026, ihre neue Schulplanung vorgestellt. Landrat Thomas Barth (CDU) und die Schulverwaltung schlagen den Gremien vor, die Anträge für das geplante neue Gymnasium in Stadecken-Elsheim und die geplante IGS in Mommenheim zurückzuziehen. Stattdessen sollen die Integrierten Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm von vier auf sechs Züge erweitert werden. Das soll 112 zusätzliche IGS-Plätze schaffen. Im laufenden Schuljahr mussten die beiden Schulen zusammen 254 Schülerinnen und Schüler ablehnen, aufgenommen werden konnten nur 224. Ein neues vierzügiges Gymnasium hätte nach Angaben des Kreises rund 80 Millionen Euro gekostet. Die Option eines neuen Gymnasiums soll offengehalten werden, bis über die Erweiterungen entschieden ist. Quelle: Kreisverwaltung Mainz-Bingen, 02.11.2026.
Zunächst beraten der Schulträgerausschuss und der Kreisausschuss über den Vorschlag, die endgültige Entscheidung soll der Kreistag in seiner Sitzung am 18. Dezember treffen. Die erweiterten Schulen sollen zum Schuljahr 2028/29 starten. Genaue Ausbaupläne oder Kostenschätzungen gibt es laut Landrat Barth noch nicht, da die beiden Schulen zunächst ihre pädagogischen Konzepte erarbeiten sollen. Quelle: Allgemeine Zeitung, 03.11.2026; SWR, 02.11.2026.
Die Initiatoren zweier Petitionen kritisieren die Pläne. Sabine Both aus Bodenheim bemängelt, dass die Erweiterung erst ab 2028/29 greife und ausgerechnet die IGS Oppenheim mit den höchsten Ablehnungszahlen im Landkreis nicht erweitert werde. Sie schlägt vor, die Anmeldetermine an allen vier IGSen im Kreis auf den 15. und 16. Februar 2027 zu verschieben; Landrat Barth zeigte sich offen und hat den Vorschlag an die ADD weitergegeben. Nicolas Krahwinkel aus Ingelheim, dessen Petition rund 2.300 Menschen unterstützt haben, fordert dagegen, am ursprünglichen Neubauplan festzuhalten. Er bezweifelt, dass sechszügige IGSen pädagogisch funktionieren, und rechnet mit einem Mehrbedarf von 18 Klassenräumen pro Schule. Quelle: Allgemeine Zeitung (Felix Plum), 03.11.2026; SWR, 02.11.2026.
Wir fordern: Im März hat der Kreistag einstimmig zwei neue Schulen beantragt, jetzt folgt die Kehrtwende. Familien in Mainz-Bingen brauchen endlich Verlässlichkeit. Bevor der Kreistag im Dezember entscheidet, müssen die Kosten der Erweiterungen, der Raumbedarf und ein verbindlicher Zeitplan auf dem Tisch liegen. Für die Anmeldungen im kommenden Februar bietet der Plan keine Entlastung – deshalb muss die Kreisverwaltung schon jetzt kurzfristige Lösungen vorlegen, auch für Oppenheim und den Süden des Kreises. Der Vorschlag, die Anmeldetermine zu verschieben, sollte zügig umgesetzt werden.
#MainzBingen #Schule #IGS #Ingelheim #NiederOlm #Gymnasium #Kreistag #Bildung
Quelle: Kreisverwaltung Mainz-Bingen, Pressemitteilung 02.11.2026. https://www.mainz-bingen.de/de/aktuelles/meldungen/Integrierte-Gesamtschulen-in-Ingelheim-und-Nieder-Olm-sollen-sechszuegig-werden-Landkreis-justiert-Schulplanung-neu.php
Quelle: Allgemeine Zeitung, 03.11.2026. https://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/kreis-mainz-bingen/landkreis-mainz-bingen/unverstaendlich-eltern-kritisieren-igs-erweiterung-6672735
Quelle: SWR Aktuell, 02.11.2026. https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/mainz/doch-keine-neuen-schulen-fuer-kreis-mainz-bingen-100.html
Urheber: Kreisverwaltung Mainz-Bingen (Pressestelle), 02.11.2026; Allgemeine Zeitung (Felix Plum), 03.11.2026 – 15:00 MEZ; SWR (Wolfgang Seligmann, Gesa Walch), 02.11.2026.
Bezug: Unser Bericht vom 24.10.2026. https://www.alternative-mainzbingen.de/?p=4849
Originaltext der Pressemeldung:
Integrierte Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm sollen sechszügig werden: Landkreis justiert Schulplanung neu
02.11.2026
Die Integrierten Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm sollen erweitert werden, um mehr Schulplätze zu schaffen und dem Elternwillen besser gerecht zu werden. Über den Vorschlag entscheidet der Kreistag im Dezember.
Neue Entwicklungen bei der Schulentwicklungsplanung im Landkreis Mainz-Bingen: Landrat Thomas Barth und die Schulverwaltung schlagen den Gremien vor, die Anträge für die bisher geplanten Neubauten eines Gymnasiums in Stadecken-Elsheim und einer IGS in Mommenheim zurückzuziehen. Stattdessen sollen die Integrierten Gesamtschulen in Ingelheim und Nieder-Olm auf sechs Züge erweitert und damit 112 weitere IGS-Plätze im Landkreis geschaffen werden.
„Wir müssen unsere Schulentwicklungsplanung immer wieder an den tatsächlichen Bedarf und neue Erkenntnisse anpassen. Mit den IGS-Erweiterungen erfüllen wir den Wunsch der Eltern, die ihre Kinder in überwiegender Mehrheit an einer IGS anmelden wollen“, sagt Landrat Thomas Barth.
Und der für den Bereich Schulen zuständige 1. Kreisbeigeordnete Steffen Wolf fügt hinzu:
„Die Erweiterungen bieten uns die Chance, schneller zusätzliche Schulplätze zu schaffen, dem Elternwillen besser gerecht zu werden und gleichzeitig unsere Gymnasien gezielt zu entlasten. Wichtig ist dabei, dass wir keine vorschnellen oder unumkehrbaren Entscheidungen treffen. Deshalb halten wir uns die Option eines neuen Gymnasiums offen, bis über die Erweiterungen der bestehenden Schulen entschieden ist.“
Bereits Anfang des Jahres war die sechszügige Erweiterung der IGS im Landkreis geprüft worden. Die Idee wurde allerdings damals aufgrund der fehlenden Zustimmung von ADD und Ministerium nicht weiterverfolgt – die Beschlüsse pro Gymnasium in Stadecken-Elsheim und IGS in Mommenheim wurden gefasst. Mit der neuen Landesregierung, die eine Erweiterung von Integrierten Gesamtschulen auf sechs Züge per Koalitionsvertrag grundsätzlich ermöglicht hat, änderten sich aber die Rahmenbedingungen. Ergebnis: Nach intensiven Gesprächen mit dem Land und den betroffenen Schulen werden demnächst der Schulträgerausschuss und der Kreisausschuss zu dem Verwaltungsvorschlag der IGS-Erweiterungen beraten. Endgültig gefasst werden soll der Beschluss schließlich im Kreistag im Dezember.
Der Elternwille pro IGS ist leicht zu dokumentieren: Im aktuellen Schuljahr mussten an den beiden Schulen in Ingelheim und Nieder-Olm zusammen 254 Schülerinnen und Schüler abgelehnt werden, während lediglich 224 aufgenommen werden konnten. Nach einer Erweiterung könnten 168 Schülerinnen und Schüler je Jahrgang und Standort – also insgesamt 336 an beiden Schulen – aufgenommen werden. Der bestehende Nachfrageüberhang würde erheblich reduziert. Dennoch bliebe aufgrund der weiterhin hohen Nachfrage eine angemessene Auswahl unter den Bewerberinnen und Bewerbern bestehen, um das pädagogische Konzept der IGS mit Schülerinnen und Schülern verschiedener Schulniveaus nicht zu gefährden.
Dazu kann die Erweiterung deutlich schneller umgesetzt werden als ein Schulneubau auf der grünen Wiese. Beide Schulen bestehen bereits, verfügen über entsprechende bauliche Strukturen und sind nach den vorliegenden Prüfungen der Architekten der Fachabteilung grundsätzlich erweiterbar. Das ist auch deshalb wichtig, weil sie damit dann zu einer echten Entlastung werden können, wenn sie auch gebraucht wird. Ein neues Gymnasiums-Gebäude wäre im Zweifel erst dann bezugsfertig, wenn die Zahl der Schulkinder schon wieder abflaut, denn: Nach derzeitiger Planung nehmen die Schülerinnen und Schüler an den weiterführenden Schulen des Landkreises zwar bis 2030 noch zu. Danach sinkt diese Zahl aber wieder auf das heutige Niveau.
Konkret wurden jetzt zudem die aktuellen Geburtenzahlen und die daraus resultierenden künftigen Einschulungen erneut mit den Prognosen des Schulentwicklungsplans abgeglichen, um deren Plausibilität zu überprüfen. Dabei zeigte sich, dass die bisher für das Schuljahr 2032/33 prognostizierten 2054 Einschulungen wahrscheinlich nicht erreicht werden. Tatsächlich wurden laut Einwohnermeldeamt im vergangenen Jahr, vom 1. September 2025 bis zum 31. August 2026, lediglich 1623 Kinder geboren. Die Differenz von 431 Kindern allein durch einen möglichen Zuzug zu erklären, erscheint aus Sicht der Fachabteilung nicht plausibel.
Zuletzt ist die Variante der Erweiterung der beiden bestehenden Integrierten Gesamtschulen auch wirtschaftlich deutlich günstiger zu haben. Für ein neues vierzügiges Gymnasium in Stadecken-Elsheim würden Investitionen von etwa 80 Millionen Euro nötig.
„Der jetzt vorliegende Beschluss ist unser Vorschlag an den Kreistag, damit die von uns erhoffte Entlastung bei den Schulplätzen so schnell wie möglich greift und wir den Eltern ein dementsprechendes Angebot machen können“, sagt Landrat Thomas Barth.
